Als Autoren sind es unsere Schreibstile, die uns aus der Masse herausstechen lassen, uns mit Lesern* verbinden und ein Teil unserer Identität auf dem Blatt darstellen. Die besten Schriftsteller lassen es mühelos erscheinen, als ob sie mit einem Kaffee in der Hand gegenüber säßen und zu einem sprechen. Ihr Schreibstil ist klar, präzise, elegant und freundlich. Doch wie kommt man zu dieser einzigartigen Balance? Bereits über 10 Jahre arbeiten wir mit verschiedenen Autoren zusammen und lernen tagtäglich über das Schreiben. Hier haben wir für euch unsere 6 besten Tipps für einen einzigartigen Schreibstil zusammengestellt.

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel die männliche Form verwendet. Nichtsdestoweniger beziehen sich alle Angaben auf Angehörige aller Genderidentitäten.

1. Lesen, lesen, lesen

Bei uns in der Bookmundo-Office in Rotterdam haben wir überall Bücher stehen. Warum? Weil wir stolz auf unsere Self-Publisher sind und selber gerne während der Mittagspause in ein Buch hineinschnuppern und uns davon inspirieren lassen. Lesen scheint ein ganz offensichtliches Muss bei Autoren zu sein, doch wir können nicht genug unterstreichen, wie wichtig es für den Schreibfluss und die Kreativität ist.

Denkt daran wie eure Lieblingsautoren euch in ihren Bann ziehen und wieso ihr eine besondere Verbindung zu ihren Texten habt.

Ich habe gelernt, dass Menschen vergessen was du sagst und was du tust, doch sie vergessen nie wie du sie hast fühlen lassen. — Maya Angelou 

Ob ihr ganz neu in der Welt des Schreibens seid oder schon viel Erfahrung gesammelt habt, die Wahrheit in diesem Zitat bleibt bestehen. Es ist die Art, wie ihr Wörter kombiniert, die Menschen fühlen lässt. 

Probiert also etwas zu lesen, dass ihr normalerweise nicht in Erwägung ziehen würdet und den Stil nachzuahmen. Romantik ist großartig, um über emotionale Bindungen zwischen Charakteren zu schreiben. Krimis sind toll, um das Schreiben am roten Faden zu üben und mehrere Handlungsstränge zu vereinen. Fantasy fördert eure Kreativität beim Beschreiben eines Schauplatzes. Tobt euch aus! Ein Gefühl für diese Elemente bildet das Fundament für einen einzigartigen Schreibstil.

Kleiner Tipp: Achtet besonders auf Metaphern, Beschreibungen, Wortwahl, Satzbau, Vergleiche und originelle Ideen. Wir empfehlen diese Beobachtungen in einem Schriftsteller-Tagebuch festzuhalten. 

2. Reden

Welche Rede hat euch stark beeindruckt? Steve Jobs‘ Rede in Stanford 2005 „Bleibt hungrig, bleibt albern“? Nelson Mandelas Antrittsrede als Präsident 1994? Oder vielleicht Barack Obamas „Yes we can“? Es ist erstaunlich wie präzise Redner ihre Worte wählen. Sie machen Pausen, Akzente, verwenden rhetorische Elemente und jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Sucht euch also eine Rede heraus, die euch besonders gefällt und analysiert sie. Welche Kombination aus taktischen Elementen hat eure Spannung so gefesselt?

Reden zu hören und zu analysieren hilft euch nicht nur verschiedene Arten des Formulieren zu erkennen sowie den Wortschatz zu fördern, sondern auch auf neue Ideen zu kommen. Ihr könnt zum Beispiel die Podcasts von Ted-Talks abonnieren und während dem Laufen, Kochen oder Weg zur Arbeit anhören. Bei Ted-Talks halten Sprecher von überall kurze Reden über geniale Ideen und Entdeckungen. 

Eine Hand hält eine Glühbirne vor einen Sonnenuntergang als Zeichen für eine Idee

Versucht auch gerne selber eine Rede zu halten. Vor dem Spiegel. Ganz alleine. Ihr werdet merken: die richtigen Worte zu wählen ist nicht leicht, doch mit der Zeit fallen sie einem schneller ein und man kommt in einen Redefluss. Wenn ihr als nächstes eure Gedanken auf Papier bringt, werdet ihr sehen, dass ihr ähnlich schreibt, wie ihr sprecht: authentisch, flüssig und flott. 

3. Mit verschieden Schreibstilen experimentieren

Natürlich ist es wichtig das Schreiben in der eigenen Komfortzone oder im Lieblingsgenre zu üben und seine Nische zu stärken. Doch wie in Tipp Nummer 1 bereits erwähnt, lernt man viel durch das Experimentieren mit anderen Genres, Publikum und sprachlichen Mitteln. 

Hier eine Liste an sprachlichen Mitteln, die die Kreativität eures Schreibstils fördern:

  • Ein kreativer nicht-fiktionaler Text über ein persönliches Thema 
  • Ein faktenbasiertes journalistisches Stück
  • Ein Sonnet
  • Ein Haiku
  • Ein Limerick
  • Zwei politische Reden: einmal rechts-orientiert und einmal links-orientiert
  • Satire
  • Stand-up Comedy Skript 
  • Ein Rezept
  • Kinder- und/oder Jugendliteratur 
  • Epische Fantasie
  • Für einen Blinden schreiben, um das Beschreiben eines Schauplatzes zu üben 

Je weiter ihr euch von eurer Komfortzone entfernt, desto mehr lernt ihr. Durch diese Übungen wird euer Schreibstil pfiffig und bietet dem Leser eine ganz andere Art zu lesen, zu verstehen und zu fühlen. 

4. Intelligentes Fernsehen

Ähnlich wie mit berühmten Reden, kann man durch das Fernsehen lernen ein Publikum in seinen Bann zu ziehen. Filme und Serien sind voller Dramaturgie, Wortspielen, Dialogen und manchmal geladen mit Schluchzpotential. 

Ihr könnt daher in erfolgreichen Serien nach den folgenden Dingen Ausschau halten:

  • Den Aufbau von Dialogen und deren Schwung / Wirkung
  • Die Struktur: Gibt die Einleitung dem Zuschauer Klarheit oder ungelöste Rätsel? Wie ist die Stimmung? Welche Cliffhanger werden verwendet? Wie wird die Spannung aufrecht gehalten?
  • Einzigartige Sprüche, wie „Schau mir in die Augen, Kleines.“ (Casablanca) Diese könnt ihr abwandeln und bewusst für eure Zwecke einsetzten. 

5. Kenne dich und deine Leserschaft

Wir sind alle nur Menschen. Jeder hat seine Probleme, Fragen oder Themen, die gerade endlos im Kopf herumschwirren. Manchmal können wir diese klar formulieren und manchmal ist es nur ein starkes Gefühl im Inneren. Vielleicht habt ihr es schon erlebt, dass ein Text euch die Worte aus der Seele spricht. Ihr erkennt euch darin wieder und könnt jedem Satz zustimmen. 

Solche Worte bleiben in Erinnerung. 

Wenn ihr also den Leser sehr gut kennt, dann könnt ihr präzise auf seine Emotionen, Sorgen oder Wünsche eingehen und eine solche Reaktion erzeugen. Viele Autoren stellen sich den Leser als Person mit Namen, Eigenschaften, Sorgen und Träumen vor. So wird der Schreibstil gleich persönlicher, denn man schreibt nicht an mehrere Fragezeichen, sondern an Laura, Stellvertreterin der Zielgruppe. 

Manchmal ist der Autor sogar ident mit dem Leser: Beide haben oder hatten eine ähnliche Erfahrung. In diesem Fall: Kennt ihr euch selbst, dann kennt ihr wohlmöglich auch den Leser. 

6. Hole dir Feedback zu deinem Schreibstil von anderen

Es ist ein großer Schritt Stücke des eigenen Werkes mit anderen zu teilen, selbst wenn es nur Freunde oder Familie sind. Doch Feedback ist enorm wichtig sowohl für den thematischen Stil als auch den sprachlichen Stil. So erfahrt ihr was fehlt, wo es hapert, was gelungen ist und bekommt neue Ideen. Wenn man sich über Wochen und Monate in seiner Schreibblase befindet, verliert man leicht den Überblick und kennt seine Sätze schon auswendig. Der frische Wind von außen bringt oft den Schwung, den man gerade braucht. 

Ihr könnt auch gerne ein paar Schreib-Gruppen auf FaceBook beitreten. Da die Mitglieder dieser Gruppen euch nicht kennen, ist das Feedback sehr objektiv. Auch indem ihr die Texte anderer lest und Feedback gebt, erkennt ihr was euch gefällt und eventuell übernehmen wollt. Wer weiß, vielleicht schließt ihr sogar neue Freundschaften oder gewinnt neue Kunden.

Hier eine Liste an netten Gruppen:

Wenn ihr Fragen, Kommentare oder Vorschläge für einen Blog habt, zögert nicht uns zu kontaktieren: support@bookmundo.de

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