Buch schreiben statt aufschieben: 6 Tipps gegen Prokrastination
Buch schreiben

6 Tipps gegen chronische Aufschieberitis im Schreibprozess

Der Schreibprozess des eigenen Buches gestaltet sich langwierig und widerspiegelt eine emotionale Achterbahn: Nebst persönlichen Erfolgserlebnissen wird dich als Autor auch Wohl oder Übel das Gefühl von Frustration und Demotivation überkommen. Dies ist auch naheliegend, denn das Verfassen des eigenen Werkes erfordert nicht nur viel Zeit und Durchhaltevermögen, sondern auch stets eine hohe Konzentration und ein kreatives Denkvermögen. Und seien wir ehrlich: Im Endeffekt sind wir nur menschliche Schreiberlinge, deren intellektuelle Leistungsfähigkeit limitiert ist. Und dennoch gibt es nichts Ärgerlicheres, als einen Tag, der dem Buch schreiben gewidmet sein sollte, anderweitig zu versäumen. Wir verraten dir einige Tipps, wie du das Aufschieben überwinden kannst, deine Zeit effizienter nutzt und deine Produktivität im Schreibprozess optimierst.

1. Erzähle deinen Mitmenschen von deinem Projekt, ein Buch zu schreiben 

 «Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen», besagt ein altbekanntes Sprichwort. Dennoch ertappst du dich immer wieder aufs Neue dabei, wie du prokrastinierst. Und damit tust du genau das Gegenteil von dem, was du eigentlich erreichen möchtest: Der Begriff «Prokrastination» stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus «pro» (für) und «cras» (morgen) zusammen. 

Während du als Schriftsteller grenzenlose, kreative Freiheiten geniesst, bist du gleichzeitig dein eigener Chef und niemand schaut dir über die Schultern oder überprüft, ob du deine Arbeit erledigst. Um es drastisch zu formulieren: Als Self-Publishing Autor beginnt sich die Aussenwelt erst für dein Werk zu interessieren, wenn es an die Veröffentlichung geht. Somit fällt es dir auch leicht, dich selbst auszutricksen, indem du das Aufschieben des Schreibens mit einer fadenscheinigen Ausrede rechtfertigst. Überliste deinen inneren Schweinehund, indem du dir selbst einen Druck aufbaust: Teile dein Vorhaben mit deinen Mitmenschen, denn sobald du dich vor ihnen verantwortest, steigt die Dringlichkeit und damit der Drang, das Geplante zu erledigen. 

2. Motivation durch Eigenbelohnung

Belohnungen konditionieren unser Verhalten und sind mit grosser Wahrscheinlichkeit bereits unbewusst in deinem Alltag integriert: Du gönnst dir einen kleinen Snack nach dem Sport oder ein Glas Wein nach der Arbeit. Warum also nicht ein ähnliches Belohnungssystem in deinen Schreibprozess einführen? Ähnlich wie beim Trainieren oder Arbeiten ist es das Buch schreiben eine Aktivität, die Disziplin und Engagement erfordert. Daher gibt es keinen plausiblen Grund der dagegen spricht, dir auf die Schultern zu klopfen, wenn du eine weitere Seite deines Romanes geschafft hast. Inwiefern ist dies eine effektive Methode gegen Aufschieberitis? Mit dem Aufschieben entgeht dir nun nicht mehr nur ein Tag, an dem dein Roman wächst, sondern auch eine verlockende Belohnung, die es erst nach Erfüllung der anstehenden Aufgabe gibt. 

3. Buch in kleinen Etappen schreiben

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und dasselbe musst du dir beim Verfassen deines eigenen Werkes eingestehen: Der Berg an Arbeit, den es zunächst zu überwältigen gibt, kann abschreckend wirken und dich davon abhalten, den Stein überhaupt erst einmal ins Rollen zu bringen. Ein ganzes Buch zu schreiben ist keine geringe Verpflichtung. Außerdem weißt du nicht einmal, ob dein Roman gelingt, geschweige denn ein Erfolg wird! Kein Wunder, dass du keine Lust hast, loszulegen. Der Schlüssel zum Ziel liegt darin, dieses gigantische Buchprojekt in kleine, realistische Etappen aufzuteilen.

Je nachdem, wie weit du in deinem Schreibprozess schon fortgeschritten bist, möchtest du dir vielleicht zum Ziel setzen, ein Kapitel pro Woche oder vielleicht eine bestimmte Anzahl an Seiten pro Tag zu schreiben. Die Wahl liegt ganz bei dir, denn es gibt nicht zu viel oder zu wenig. Hauptsache ist, dass du einen Flow findest, der mit deinem Lebensstil und deiner Motivation harmoniert und im Rahmen des Möglichen liegt. Dadurch entwickelst du eine Eigendynamik, welche für deinen Schreibprozess fördernd ist. 

4. Frische Luft schnappen und Energie tanken

Anstatt dass du dir einen vierten Kaffee aufsetzt, lohnt es manchmal, die Fenster aufzureissen und frische Luft in das stickige Zimmer zu lassen. Oder noch besser: Mach eine halbstündige Pause in der du nicht auf deinen Bildschirm starrst, sondern die Beine vertrittst. Wenn du feststellst, dass du eine Schreibblockade hast und die Wörter einfach nicht fliessen wollen, gehe spazieren. Ob es nun der Tapetenwechsel und die damit verbundenen Eindrücke sind, eine kurze Auszeit zu machen, in der du deinen Geist schweifen lässt, hilft. Man könnte zwar argumentieren, dass ein Spaziergang an sich schon eine Form des Aufschiebens ist, aber man kann kein Omelett zubereiten ohne Eier zu zerschlagen.

5. Verbanne jegliche Gegenstände, die dich ablenken

Die Zeiten, in denen man in einem Pariser Eckcafé glückselig auf seiner Schreibmaschine herumhämmern konnte, ohne unzähligen Ablenkungen ausgesetzt zu sein, sind längst vorbei. Es wird erwartet, dass wir rund um die Uhr erreichbar sind. Aber wie oft werden wir tatsächlich wegen einer wirklich dringenden Angelegenheit kontaktiert? Stelle dir deine Konzentration wie einen Eimer voll Wasser vor: Jedes Stück Kommunikationstechnologie, das dir zur Verfügung steht, ist ein kleines Loch in diesem Eimer. Dein Telefon, die sozialen Medien und sogar deine Internetverbindung sorgen dafür, dass sich dein Konzentrationsbehälter langsam aber stetig leert. Um das Risiko des Aufschiebens zu minimieren, musst du diese Löcher stopfen und auch wenn dies radikal klingt: Die effektivste Methode hierfür ist es, deinen Internet-Router von der Stromzufuhr zu trennen, während du am Schreiben bist.

„Aber ich brauche das Internet, um für mein Buch zu recherchieren!“ könnte man dagegen argumentieren. In diesem Fall empfehlen wir, Schreiben und Recherche auf zwei verschiedene Tage aufzuteilen: Recherchiere an einem Tag und verbringe den nächsten Tag damit, dein Buch basierend auf dieser Recherche offline zu schreiben. Erinnere dich daran, dass unzählige Autoren der letzten Jahrhunderten ganz ohne Internet-Recherche auskamen und dennoch Meisterwerke verfasst haben. Solltest du dringend etwas überprüfen müssen, dann lasse einfach einen Platzhalter und kommen später darauf zurück. Du hast keine Eile, denn ums Revidieren kommst du so oder so nicht drum herum. 

6. Denke daran, der erste ist nicht der endgültige Entwurf!

Auch wenn die Überarbeitung deines Buches zu den lästigeren Aufgaben gehört: Sie wird mindestens genauso viel Zeit in Anspruch nehmen, wie das eigentliche Verfassen deines Manuskriptes. Wenn dich also die Angst, etwas zu vermasseln, zögern lässt, dann schreibe dir Folgendes hinter die Ohren: Es ist ohnehin unvermeidbar, dass du Fehler machst, welche du im Nachhinein korrigieren musst egal was für ein guter Schriftsteller du bist. Lege deinen falschen Perfektionismus ab und senke die Ansprüche an dich selbst.

Mit anderen Worten: Dein erster Entwurf ist noch lange nicht der Letzte. Du brauchst ihn also nicht aufzuschieben, aus Zweifel, dass er nicht gelingen könnte. Konzentriere dich vorerst darauf, Zeilen auf das Papier zu bringen, egal ob sie gut sind oder nicht. Denn das Schöne an geschriebenen Wörtern ist, dass sie im Gegensatz zu gesprochenen Wörtern nicht gleich beim ersten Mal richtig klingen müssen.

Wir hoffen, dass dieser Artikel einige wertvolle Anregungen gibt, wie du Aufschieberitis im Schreibprozess zukünftig vermeiden kannst. Und das Wichtigste: Sei nachsichtig mit dir selbst und führe dir täglich vor die Augen, was du bereits erreicht hast, denn das wird dich auf lange Sicht motivieren. 

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