Was macht einen Roman aus psychologischer Sicht spannend?

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Schreibstil mitreißender Romane aus psychologischer Sicht 

Heute werden wir aus psychologischer Sicht betrachten, wie ein Roman am besten geschrieben wird, um besonders mitreißend zu sein, denn besonders erfolgreiche Romane sind zumeist außergewöhnlich mitreißend. Sie sind durch eine Transportation des Lesers in die Geschichte gekennzeichnet. Was in einer Geschichte geschehen muss und wie sie geschrieben sein sollte damit der Leser sich möglichst als Teil der Geschichte empfindet, hängt mit dem Schreibstil und der Handlung der Geschichte zusammen. Heute werden wir aus psychologischer Sicht betrachten, wie ein Roman am besten geschrieben wird, um besonders mitreißend zu sein.

Inhalt

Rezeption
Transportation
Involvement

Betrachten wir also die verschiedenen psychologischen Konzepte:

Rezeption 

Mit Rezeption ist die aktive Auseinandersetzung von Mediennutzern, in diesem Fall den Lesern, mit dem Geschriebenen gemeint. Bei der Rezeption können eine Vielzahl von Faktoren zu verschiedenen psychologischen Phänomenen wie Transportation und Involvement führen.

Transportation

Transportation ist der als mühelos erlebte, aktive Prozess des Hineinversetzens bzw. Eintauchens in die Geschichte. Transportation wird oft mit der Reisemetapher beschrieben:

„Der Rezipient reist mithilfe des Transportmittels der Narration in eine andere Welt, lässt dabei seine aktuelle Welt zurück, macht in der narrativen Welt neue (stellvertretende) Erfahrungen und kehrt mit neuen Eindrücken, Einstellungen und Sichtweisen zurück. Während der Transportation werden also zudem die aktuelle Umgebung des Rezipienten und sein Bewusstsein über sich selbst mit all seinen Sorgen zeitweise ausgeblendet.“

Die Transportation setzt ein hohes Maß an Involvement voraus und wird maßgeblich von der Qualität der Narration beeinflusst.¹

Involvement 

Mit Involvement ist gemeint, wie sehr wir gedanklich und emotional in eine Geschichte involviert sind, während wir diese lesen. Es lässt sich in zwei unterschiedliche Kategorien aufteilen, das kognitive und affektive Involvement.

Mit dem kognitiven Involvement ist generell gemeint, wie sehr wir uns kognitiv mit dem Medium, also dem Buch, auseinandersetzen bzw. wie stark wir über das Gelesene nachdenken. Ein besonders hohes kognitives Involvement kann zum Beispiel durch eine Handlung erreicht werden, die einen Bezug zur Lebensrealität des Lesers hat. Dies bedeutet, dass Aspekte der Handlung dem Leser bereits vertraut sind.²

Die psychologische Forschung ist sich einig, dass wir Dinge, die uns bereits vertraut sind, einer höheren Prüfung unterlegen – und uns gedanklich mehr mit ihnen auseinandersetzen. Konkret könnte dies bedeuten, dass in dem Roman ein Problem oder eine Fragestellung eine zentrale Rolle spielt, welche ebenso eine aktuelle Thematik der Gegenwart ist.

Romane mit außerordentlichem Erfolg wie „The Circle“ von Dave Eggers greifen Themen wie die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehende Veränderung aller Lebensbereiche auf, welche die moderne Welt beschäftigt. Eine andere Option wäre es, ein Thema zu wählend, dass alle Menschen in einer gewissen Phase ihres Lebens betrifft; wie zum Beispiel die erste Liebe in der Jugend oder der Verlust geliebter Menschen.

Kognitives Involvement kann außerdem durch einen überraschenden und außergewöhnlichen Schreibstil gefördert werden.

Kleine Überraschungen beim Lesen eines geistreich und unterhaltsam geschriebenen Textes fördern die Aufmerksamkeit. Allerdings kann ein zu anspruchsvoll geschriebener Text den Leser auch kognitiv überbeanspruchen und dadurch die Transportation verhindern oder im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich der Leser von dem Text abwendet. Es ist also besonders wichtig beim Schreiben auf einen individuellen Schreibstil zu achten, sich aber trotzdem nicht zu sehr von dem Sprachniveau der Leser abzuheben.

Ebenso wie auf das Sprachniveau der Leser gilt es auch auf dessen Wissenstand einzugehen. Ein Buch, das mit zu vielen neuen Informationen gespickt ist, wird des Lesers Aufmerksamkeit nach einer Zeit tendenziell ermüden und dadurch die Transpiration in die Geschichte verhindern.

Das affektive Involvement fasst die empfundenen Gefühle während des Lesens sowie die emotionale Nähe zu den Akteuren zusammen. Eine Studie der renommierten Literaturwissenschaftler Jodie Archer und Matthew L. Jockers haben ergeben, dass besonders erfolgreiche Romane gemeinsam haben, dass sich Leser mit den Protagonisten verbunden fühlen. Diese Beziehung zwischen Leser und Mediencharakter wird auch parasoziale Beziehung genannt. Besonders intensive parasoziale Beziehungen entstehen, wenn sich der Leser dem Protagonisten als ähnlich empfindet. Dies ist ein Kriterium, das ihr als Autoren bezüglich eurer Leserschaft beachten solltet. ³

Quellen

1 „The Psychology of Entertainment“, Chaffee and Roser, 1986

2. Das Involvementkonzept in der Massenkommunikationsforschung

3 „The Bestseller Code“, Jode Archer & Matthew L. Locker

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